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Geschichte

Die Stadt Reinfeld (Holstein) liegt im Norden des Kreises Stormarn in landschaftlich reizvoller Lage und ist Mittelpunkt eines Nahbereiches von 12 Gemeinden. Reinfeld (Holstein) ist im Laufe der Zeit als "Karpfenstadt" zu einem festen Begriff geworden. Jedes Jahr ab Oktober, wenn die Feinschmecker aus ganz Norddeutschland hierher kommen, herrscht Hochbetrieb in den renommierten Gaststätten, um das schmackhafte Wappentier zu verkosten. Die mit der offiziellen "Karpfenprobe" und dem Abfischen des Herrenteiches eröffnete Karpfensaison dauert bis zum März/ April des folgenden Jahres.


Seine natürliche Schönheit verdankt Reinfeld den Zisterziensermönchen, die hier seit 1186 zwischen Bad Oldesloe und Lübeck neben der Heilsau ihr Leben fristeten. Durch das Aufstauen der Heilsau, eines Nebenflusses der Trave, ist der Herrenteich entstanden. Außer dem ca. 60 ha großen Herrenteich sind heute noch vier kleinere und vier Hellernteiche erhalten, die alle von alters her der Edelfischzucht, hauptsächlich der Spiegelkarpfen, dienen. Bereits im 13. Jahrhundert haben die Mönche begonnen, Wassermühlen zu bauen. Die Mühle in nächster Nähe ihres Klosters am Herrenteich hat fast 700 Jahre überdauert, sie trug seit 1917 den Namen "Claudius Mühle". Politisch geschickte und wirtschaftlich begabte Äbte haben ihr Kloster nahezu 400 Jahre lang geführt, bis es 1582 vom dänischen König eingezogen worden ist. Die Mönche hatten vier Güter angelegt. Die Ländereien der beiden Größeren wurden dänischerseits seit 1770 aufgesiedelt. Hieraus sind die sogenannten Parzellistengemeinden Stein- und Neuhof entstanden.


Aus der Abtei entstand das Amt Reinfeld im Herzogtum Plön. Herzog Johann ließ das Kloster abbrechen und aus dem gewonnenen Baumaterial ein vierflügeliges Renaissanceschloss bauen. Dies hat am Nordufer eines Klosterteiches gestanden, der seit jener Zeit Hausgraben heißt. Die frühere Klosterkirche wurde nicht mit abgebrochen, sie ist jedoch 1635 einem Unwetter zum Opfer gefallen, in dem der Staudamm des Herrenteiches gebrochen ist. Aus dem Bruchmaterial ist die heute noch stehende evangelische Kirche erbaut und am 2. Juli 1636 geweiht worden. Zwischen Schloß und Kirche ist das Dorf Reinfeld entstanden. Nach dem Tod des letzten Plöner Herzogs fiel 1762 das Herzogtum und mit ihm das Amt Reinfeld an Dänemark. 1775 wurde das Schloss abgebrochen und im selben Jahr aus dem gewonnenen Abbruch ein neues Verwaltungsgebäude gebaut. Dänemark ließ eine gemeinsame Schule für die drei Gemeinden Reinfeld, Steinhof und Neuhof 1839 auf dem ehemaligen Schlossplatz errichten, die heute von der Stadt als Vereins-, Jugend- und Kulturzentrum genutzte Alte Schule. Im Jahre 1840 erhielt Reinfeld ein förmliches Fleckensprivileg und im Jahre 1867 wurde nach Beendigung der Dänenherrschaft die preußische Verwaltung wirksam. Im Jahre 1907 wurde das heute noch genutzte Rathaus gebaut.
Durch die fortschreitende Bebauung im Osten und Süden Reinfelds wuchsen die drei Gemeinden Steinhof, Neuhof und Reinfeld immer dichter zusammen, so dass sie sich 1925 zu einer Gemeinde zusammenschlossen. Dem so gebildeten Flecken Reinfeld wurde 1926 das Stadtrecht kraft Gesetzes verliehen.

Persönlichkeiten der Stadt Reinfeld (Holstein):

Alice Freifrau von Maltzahn

Kunstmalerin
geb. 07.04.1883 in Hirschberg/Schlesien
als Alice Marie Ella Markgräfin von Coligny-Petitjean.
gest. 12.06.1973 in Reinfeld
1909 - 1912 Hochschule für bildende Kunst in Weimar
Nach dem Kunststudium widmete sie sich der Portraitmalerei. Im Museum sind Fotografien von Ölgemälde zusehen.
1939 zog die Künstlerin nach Reinfeld und malte nur noch zur eigenen Freude Blumenstilleben und ihre Katze. Das wahrscheinlich letzte Selbstportrait zeigt die Malerin (etwa 65-jährig) mit Farbpalette. Das Bild sowie ihre Staffelei und die Malutensilien befinden sich im Heimatmuseum. Die Bilder aus der Zeit nach 1939 befinden sich überwiegend im Familienbesitz.

Matthias-Claudius


MC

Dichter und Journalist
geb.15.08.1740 in Reinfeld
gest. 21.01.1815 in Hamburg
Ab 1768 in Wandsbek ("Der Wandsbecker Bote").

Eine größere Sammlung seiner Werke sowie Bilder und Dokumente zu seinem Wirken und Schaffen sind in einer eigenen Abteilung im Museum zu sehen. Bis heute ist sein Abendlied "Der Mond ist aufgegangen" in der Vertonung von J.A.P. Schulz - auch weit über Deutschlands Grenzen hinaus - bekannt.

Joachim Mähl

Lehrer und Dichter in plattdeutscher Sprache

geb. 15.09.1827 in Niendorf bei Hamburg,
gest. 04.07.1909 in Segeberg
Teilnehmer am Befreiungskampf 1848
Ab 1854 bis 1889 Lehrer in Reinfeld.

"EEn echten plattdütschen Heimatdichter".
Eine umfangsreiche Sammlung seiner Werke (Tatermarieken, Jean, Fanny...) und etliche Gegenstände aus seiner Zeit erinnern an ihn. Besonders bekannt ist seine Übertragung des "Reineke Fuchs" ins Plattdeutsche.

Carl Harz

geb. 14.02.1860 in Altona,
gest. 13.08.1943 in Lübeck-Lauerhof
Kaufmann und Organisator, erkannte schon sehr früh die Erholungswerte mit den Teichen und Wäldern in und um Reinfeld. Er errichtete 1905 in Reinfeld einen Seepavillion mit Park und baute gleich ein Kurhaus mit 50 Betten auf dem Grundstück mit. Er setzte sich mit Nachdruck für die Vereinigung der Orte Reinfeld, Neuhof und Steinhof ein und errichtet die "Villenkolonie Harz".
1917 siedelte er endgültig nach Reinfeld um. Er setzte sich, auch in Schriften und Publikationen, für sozial-religiöse Probleme ein, die ihn noch im hohen Alter 83 Jahren durch die Nationalsozialisten ins Gefängnis brachte, wo er in der Strafanstalt verstarb.

Paul von Schoenaich

geb. 16.02.1866 auf Gut Klein Trommnau, Krs. Rosenburg, Westpreußen,
gest. 07.02.1954 in Reinfeld
Nahm am Ersten Weltkrieg teil und war Träger zahlreicher Orden. Wurde 1918 zum Parzifisten. Seit 1920 Wohnsitz in Reinfeld. Mitglied der "Deutschen Friedensgesellschaft" (DFG). Von 1929 bis 1933 deren Präsident.

In vielen Zeitungsartikeln und Buchveröffentlichungen trat er für die Weimarer Republik und für den Erhalt des Friedens ein. Verfolgung durch die Nationalsozialisten.